Oasen der Coolness

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre erlebte die Popkultur einen fundamentalen Paradigmenwechsel: An die Stelle der gleichförmig organisierten Beat-Kollektive traten nun “Gitarrengötter” und andere Instrumentalvirtuosen oder exzentrische Gesangsperformerinnen und –performer.

Auch der Kleidungsstil wandelte sich radikal: Die Bühnenanzüge der Beatles aus den frühen Sixties wurde abgelöst von Batik-Hemden, Lederfransenwesen, Fantasieuniformen und Bandanas, wie Jimi Hendrix sie trug.

Die Musik wurde unter dem Einfluss halluzinogener Drogen weiträumiger, ekstatischer und drängte über die Grenzen des traditionellen Popsongs hinaus. Für diese neuartige Kultur mussten die passenden Schauplätze erst geschaffen werden.

In Wien waren dies das San Remo in der Neubaugasse im siebenten Wiener Gemeindebezirk, später unter dem Namen Camera Club ein Dauerbrenner der Lokalszene, und vor allem das Voom Voom in der Laudongasse: Hier versuchten die Initiatoren und Betreiber, die neu gewonnenen psychedelische Freiheit als immersives Ganzkörpererlebnis zu rekonstruieren.

Zur Ausstattung des Voom Voom zählten eine für die damalige Zeit sensationelle Tonanlage, ein Stroboskop, eine Discokugel, die Blitzlichter durch den Raum zucken ließ, und natürlich eine untadelige Musikauswahl zwischen James Brown und Frank Zappa.

„Das Publikum war eine bunte Mischung aus Künstlern, Musikern und Studenten und Szenefiguren“, erinnert sich Edek Bartz, der zu den Mitgründern des Lokals zählte und dort als DJ wirkte.

„Im Voom Voom konnte man auch erste Vorzeichen jener Lifestylekultur wahrnehmen, die dann in den 1980er-Jahren dominant wurde: Die Leute wollten gut aussehen, sich chic anziehen. In der Würde der Ignoranz und des Unwissens entstand so eine Oase der Coolness.“

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