Was halten Sie von Beat?

Im Albert Sever-Saal im 16. Wiener Gemeindebezirk gab es schon seit den späten 1950er-Jahren eine Veranstaltung mit dem etwas umständlichen Titel Tanztee der Jungen Generation Ottakring. Der Tanztee war mäßig erfolgreich.

Im Jahr 1961 kam dann ein junger Mann als Manager und Organisator ins Spiel, der das Wochenendvergnügen für Teenager vollkommen umkrempelte: der Schriftsetzer Hannes Patek, der gerade dabei war, sich auch als Conférencier, Entertainer und Rock-‚n‘ Roll-Sänger einen Namen zu machen.

Er ersetzte die behäbigen Tanzcombos der ersten Jahre durch frische, junge Beat-Bands wie die Austrian-Evergreens, die Vienna Beatles und die Rangers, moderierte und sang auch selbst und sorgte dafür, dass regelmäßig internationale Show und Sportstars wie Udo Jürgens, Roy Black, Toni Sailer und sogar Ella Fitzgerald beim nunmehr Star Club Wien genannte Tanztee vorbeischauten und Autogramme gaben.

Die Teenagerveranstaltung im Albert-Sever-Saal war ein relativ harmloser Spaß in einer Zeit, in der sogenannte Schlurfs und Halbstarke noch als Tagediebe und Kleinkriminelle stigmatisiert wurden: Wer seine Arbeitskraft in den Wirtschaftswunderjahren dem Arbeitsmarkt entzog, der galt, durchaus in NS-Diktion, als „Volksschädling“.

Rock ’n‘ roll und der wenig später aufkommende Beat waren für die schweigende Mehrheit eine Unkultur, die im Rahmen von „Schmutz und Schund“-Kampagnen bekämpft wurde.

Was Hannes Patek bis in die späten 1960er-Jahre Woche für Woche beim Star Club zelebrierte, war gewissermaßen das akzeptable Gesicht der verfemten Jugendkultur. Wer den Untergrund und die wirklich dunklen Seiten der Rockkultur kennenlernen wollte, ging in den wenig später entstandenen San Remo-Club in der Neubaugasse.

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